… ist dieser artikel, der in der vorletzten ausgabe der linken wochenzeitung “JungleWorld” publiziert wurde. trotz der oftmals wirklich hässlichen polemik ist der text höchst anspruchsvoll, u.a. durch zahlreiche bezüge auf die Kritische Theorie. starker tobak das ganze, aber ehrlich gesagt habe ich manche passagen auch schlicht nicht richtig verstanden. ich wüsste aber auch nicht, was ich dem entgegensetzen sollte… macht euch selbst ein bild.
Frohe Festtage und einen guten Rutsch!
An alle Bildungsstreikenden:
Ich wünsche euch von ganzem Herzen frohe Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Auch wenn uns die Festtage sozusagen dazwischen kommen.
geht der Streik im neuen Jahr mit neuem Mut und (hoffentlich) grosser Beteiligung weiter.
Feiert schön und bereitet euch vor für einen heissen Start ins neue Jahr!
Kein Vormarsch ist so schwer wie der zurück zur Vernunft.
Bertolt Brecht
Bildungsstreik
Dieses Gedicht wurde verfasst von Daniela Goldschmidt.
Vorurteil Nummer 1
Ich bin gebildet, weil ich viel weiß.
Das ist doch blanker Hohn!
Einige merken das schon.
Einige, ja einige merken es schon.
Ich bin nicht gebildet, nur weil ich viel weiß
Das bringt mir eventuell auf dem Arbeitsmarkt einen hohen Preis
Aber wir lernen doch nicht für einen Markt
Wir lernen für uns als Gesellschaft – Na kommt sagt!
Was bringt denn all das viele Wissen
Wenn sich’s ein paar Wenige teilen müssen
Damit der Marktwert für den Einzelnen steigt?
Darum streikt Leute, Streikt!
Es geht auch um eine neue Welt, um die Neuaufteilung von unserem
Tauschmittel Geld.
Wie wärs, jeder bekäme den gleichen Lohn, egal was er macht,
na sagt es schon – Warum soll das nicht gehen?
Dann arbeitet und bildet man sich nicht mehr fürs Geld, sondern für unsere Welt!
Und wenn ihr nun meint: Dann sei keiner zur Arbeit bereit.
Dann sind die Arbeitsbedingungen nicht gerecht,
und der Sinn für uns als Gemeinschaft nicht echt.
Vorurteil Nummer 2
Das System ist gut so, wie es sei
Bezahlen muss man alles im Leben
Ob Kind, Schüler, Student, so ist das eben.
Alles kostet Geld –
Wer nichts hat, dem gehört halt nicht die Welt.
Habt ihr schonmal darüber nachgedacht
Kein Kind, kein Schüler, kein Student hat von sich aus Geld
Selbst wenn sie neben Schule und Uni arbeiten – so verdienen sie sich
nicht „die Welt“.
Nicht die Jungen, die Alten sind in der Pflicht.
Sie müssen denen etwas geben
Die neu sind im Leben.
Wenn Bildung etwas kostet, dann könnens nicht die Kinder löhnen,
und die Älteren, die mehr haben, als sie für sich brauchen, sollten
aufhören zu stöhnen,
wie viel es doch kostet, wenn man den Jungen Bildung ermöglichen soll.
Hier wisst ihr doch Wenigstens, dass ihr für etwas Gutes gebt,
in dieser Hinsicht sind Steuern toll!
Darum streikt Leute, streikt!
Vorurteil Nummer 3
Ist wohl, dass es natürlich sei,
dass es der Bildung nahe und ferne Schichten gäbe
Aber bildungsferne Schichten darf es nicht geben!
Leute, das ist wichtig, habt ihr es noch nicht begriffen?
-Wir- bilden Schichten, -wir- selektieren Leben.
Das ist nicht gottgegeben, dass sind wir, die das machen.
Es geht bei uns gar nicht ums Können und Verstehen
Es geht um die Aufrechterhaltung von einem ungerechten System.
Jeder der nicht streikt, scheint für dieses System zu sein.
Seid ihr dafür? Wenn nicht, dann wird es Zeit, dass ihr’s zeigt
Darum streikt Leute, streikt!
Aber vergesst darüber nicht die Fragen:
Was ist Bildung nun
Was soll Bildung sein?
Und welche Definition führt uns in welche Zukunft hinein?
Und noch einmal muss ich es mahnen:
Vergesst es nie aufrichtig Fragen zu stellen
Denn wenn ihr das vergesst, ist’s vorbei
Dann regieren Vorurteile über das Sagen
Darum meine Lieben: Seid wenigstens im Denken frei!
Polizei räumt Uni in Frankfurt am Main
Ich habe gerade eben erst die Berichte und die Fotos zu der Räumung gesehen und ich bin entsetzt: ‘Ein Sprecher des Allgemeinen Studierendenausschusses (ASta) der Universität warf der Polizei unterdessen unverhältnismäßige Gewaltanwendung vor. «Im Zuge der Räumung ging die Polizei unter Schlagstockeinsatz gegen friedliche Aktivisten vor. Die Zahl der Verletzten ist bisher ungeklärt», sagte der Sprecher. Während des Einsatzes seien von der Polizei die Vorhänge zugezogen worden, um eine Dokumentation zu erschweren.’
Schon alleine das ist unglaublich, dann hier der Bericht über www.unsereunis.de:’Chronik Ca. 19.00 Uhr kommt der Unipräsident in das besetzte Gebäude, kündigt die Räumung & Strafverfolgung an. Einer Diskussion stellt er sich nicht. Die Besetzer_innen und zahlreiche Besucher_innen beschließen daraufhin das für den Zeitpunkt angesetzte Seminar zur Diskussion eines emanzipatorischen Bildungsbegriffes gemeinsam zu begehen. Sie ziehen sich mit dem Dozenten Prof. Thomas Sablowski in den Festsaal des Casinos zurück und schließen die Türen.
Schon währendessen drängen behelmte Einsatzkräfte gewaltsam in das Gebäude und nehmen Menschen fest. Kurz darauf stürmen sie auch den Festsaal, wo ca. 200 Leute gemeinsam das Seminar abhalten. Draussen vor dem Gebäude stehen mehrere hundert Studierende und zahlreiche Pressevertreter. Sofort nach dem Eindringen werden die Fenster durch die Polizei verhängt und Teile der anwesenden Pressevertreter_innen bedrängt und im späteren Verlauf unter Anwendung von Gewalt aus dem Saal entfernt. Während das Seminar bis zum Schluss ruhig und sachlich fortgesetzt wird, beginnen die Einsatzkräfte Menschen aus dem Saal zu entfernen – teils durch Tritte & Schläge. Teilweise finden beim heraustragen sexistische Übergriffe statt. Nachdem alle Personen aus dem Gebäude entfernt sind, treiben die Polizisten die restlichen, vor dem Haus befindlichen Menschen brutal vom Campus. Dabei werden mehrere Personen durch Schläge auch auf den Kopf schwer verletzt. Auch außerhalb des Unigeländes spielen sich brutale Szenen ab: Es kommt zu Szenen, die Hetzjagden gleichen, bei denen teils Menschen mit Streifenwagen angefahren und darauffolgend verprügelt werden.’
Das ist so widerlich, dass ich keine Worte finde.
“Il ne peut y avoir ni vraie liberté ni justice dans une société si l’égalité n’est pas réelle.”
(Condorcet / 1743-1794 / Journal d’instruction sociale / 1793)
Nieder mit dem Rektor der Frankfurter Universität Müller-Esterl! Nieder mit der Repression!
Bewegung
Dieser Text wurde von Sascha Freisburger verfasst.
Mich interessiert diese Protestbewegung sehr. Ich sehe wie ein gemeinschaftlicher, kollektiver Enthusiasmus entsteht und das brauchen wir alle! Es gibt ein Ziel und dieses Ziel erfordert das Menschen zusammen kommen, zusammen handeln, zugunsten einer Sache. Das hat zur Folge, dass Einzelinteressen und damit Einzelpersönlichkeiten in den Hintergrund treten müssen, weil ein gemeinsamer Inhalt die Menschen plötzlich erfüllt. Ein gemeinsamer Inhalt demgegenüber vereinzelte Formen stehen.
Unser Ziel, die Abschaffung der Studiengebühren, die Kritik an der Verschulung usw. ist wichtig und richtig, es ist konkret, aber äusserlich. In Wirklichkeit liegt unser Bedürfnis, meine Ich, tiefer. In Wirklichkeit sind wir selbst das Ziel, und das äussere Anliegen nur ein Vorwand. Der ist konkret, aber lasst uns inkonkret werden. Lasst uns offen sein für das was nicht sichtbar ist!
So wie die Studiengebühren äusserlich den Einzelnen und dann auch die Allgemeinheit tangieren, gibt es innerlich Werte, die der Einzelne durch Denken und Fühlen trägt und welche sich in der Gemeinschaft zu einem kollektiven Bewusstsein formieren. Man darf nicht unterschätzen wie einflussreich so ein kollektiver Zeitgeist ist, wie mächtig und groß eine gemeinsame Identifikation mit diesem sein kann. Eine Ahnung von dem lebendigen, freiheitlichen Charakter dieses Geistes weht uns in diesen Tagen zu und mit Euporie wendet man sich dem hin. Doch schnell, wenn man merkt, dass es nur um einzelne, rationale Fakten geht und dass man selbst nur äusserlich davon betroffen ist, wendet man sich schnell wieder von diesem Geist ab. (Was kann man auch konkret tun? Doch etwas anderes trieb einen noch…)Dessen scheinbar mächtigere Kehrseite der desillusionierten Resignation und rationalen Automatismus pendelt sich dann, eh man sich versieht, wieder ein. Mit diesem mächtigen Automatismus ( eine Äusserung davon ist auch die Verschulung) wollen wir dann alle, verständlicher Weise, wieder nichts mehr zu tun haben. Und das genau ist das Problem! Es herrscht keine Identifikation mehr mit dem Zeitgeist, mit dem Gesicht unseres Landes! Weil dieses hässlich verkommen ist!
Daraus folgt, dass wir alle passiv sind. Wir tragen nich mehr aktiv durch unser Denken und Fühlen zu einem positiven Werteaufbau bei aus zwei fatalen Gründen:
Erstens ist uns der Sinn für die richtigen Werte abhanden gekommen.
Zweitens leben wir vereinzelt (gerade weil keine kollektive Identifikation herrschen kann) und können alleine nicht das geringste ausrichten.
Also: Wir können nicht alleine etwas vermitteln und leben was wir gar nicht mehr kennen! Was für ein Desaster!
Es herrscht ein großer Irrtum, nämlich dass wir uns schlechtgelaunt, gegenseitig beschuldigen. Sei es auf gleicher Ebene oder nach oben und unten. Dabei hat sich ein System verselbstständigt, wovon wir alle kollektiv Opfer sind! Wir sind also nicht Schuldige, sondern Opfer! Opfer in einem System, was uns isoliert und nach aussen gedrängt hat, was uns den Sinn für das wesentliche genommen hat, nähmlich für Freiheit und menschliche Würde! Dagegen muss unser Protest gehen!!
Aber das Äusserliche, wogegen wir uns jetzt auflehen ist nur die Spitze des Eisberges. Denn durch unsere Passivität (Medienkultur!) hat sich der Automatismus in uns eingenistet, unsere Werte ausgehöhlt, uns Klischees gesetzt als Raum zum Denken und Fühlen! Das ist keine Freiheit! Das ist kein Reichtum! Keine Lebensvielfalt! Das ist Zwang, dem wir alle ALLEINE ausgesetzt sind! Das ist schwer zu erkennen. Aber ich glaube, dass wir diese Unfreiheit spüren. Sie äussert sich in kollektiver Desillussionierung. Man denkt erstens: Die Wege (berufliche, familiäre, soziale, amüsierende) sind schon vorbestimmt, ganz Klischee, und mir bleibt keine Offenheit, keine Freiheit für Hoffnung und Selbstbestimmung. Ausserdem sind diese eh schon verkommen…
Und zweitens: Ich bin allein. Ich muss mich gegen die anderen durchsetzen. An teilen oder für oder mit den anderen ist nicht zu denken.
Dass wir uns alle irgendwie davon distanzieren wollen ist für mich ein Zeichen für einen noch gesunden Menschenverstand.
Wir müssen uns zusammen tun! Erkennen, dass es um uns geht, um den Menschen. Und jeder einzelne muss emsig versuchen Werte in sich zu beleben, sie zu tragen und zu schätzen. Und das zum Wohle der Gemeinschaft, zum Wohle dieses Landes. Dies ist eine Forderung nach Achtsamkeit, Nächstenliebe und Verantwortung!!
Ich bin überzeugt, dass ich nicht der einzige bin, für den vieles im Argen liegt, dem die Illusion fehlt, der aber gleichzeitig soviel Potenzial und Sehnsucht nach Gemeinsamkeit in den Gesichtern der Menschen spürt.
Man muss sich klar machen, dass die Aufgabe sehr schwer ist, doch absolut sinnvoll.
Macht die Augen zu vor hohlen Werten und ständiger Ironie! ( Sie hebelt manchen Ernst aus!) Kritisch sein!
Wir müssen es schaffen das Ego und das Argumentieren gegeneinander, aufzuheben. Wir müssen aufhören einander zu testen, wie es den Menschen im Fernseher ergeht! Sondern freie Gedanken und Gefühle entwickeln, mit dem Ziel sie der Allgemeinheit zu geben.
Dafür brauchen wir auch freie Räume, den auch diese, oder gerade diese, sind nicht vom Automatismus verschont geblieben!! Wir brauchen Organisation!!! Müssen Gruppen bilden, in denen jeder tut was er gut kann.Es geht nicht mehr um Erfolg, um Glanz des Einzelnen! Ist nicht schon der Gedanke eine angenehme Erleichterung, eine familiäre Erleichterung?
Und jeder muss zum Ziel haben eine gemeinsame Sache zu kultivieren. Obwohl es oberflächlich gesehen nicht direkt zum eigenen Vorteil ist, wird sich später ein Zeitgeist verselbstständigen mit dem man sich wieder identifizieren kann!! Neue Ideale!
Jeder muss den Mut aufbringen freie Werte zu finden und zu äussern, frei zu denken, zu reden, zu handeln. Es muss ein kollektives Bewusstsein entstehen, was eine gewissenhafte Dynamik entwickelt, dass man sich darum prügelt, sinnvoll zum Wohl der Gemeinschaft, des Landes beizutragen!
Wir selbst sind das Ziel!!!
Denkt an die Zukunft und die Verantwortung gegenüber unserer Kinder.
Denkt daran, dass wir alle das gleiche Schicksal tragen…
Und was gerade passiert, in dieser Bewegung, geht doch genau in diese Richtung. Ein Aufstreben gegen den Automatismus und Werteverfall.
Lasst uns das Ahnen dieses lebendigen Geistes zum Verstehen bringen, ihn aktiv festhalten!
Lasst uns diesen Protest als Anlass und Anfang einer enorm größeren Welle der brüderlichen Gemeinsamkeit begreifen, mit der wir uns selbst erheben!
Das wäre unserer weit vorangeschrittenen Zeit angemessen!!
1,2,3 attención attención
woohooo, das konzert gestern abend war ja mal grandios. ich muss gesehn, ich habe nur die chupa cabras und schlagsaite bewundern dürfen, aber das allein war schon unglaublich. die stimmung war unbeschreiblich schön, alle haben getanzt,auf den bankreihen,überall. es waren doch n paar hundert leute da, und man hat den bands angemerkt, dass sie gern noch viel länger gespielt hätten.
we’re bleeding out(?)
mann ist das hier grad leer… sind die leute wirklich zu bequemlich um die 10 minuten vom hauptgebäude zur humf zu latschen? oder sagen sie schon nach zwei wochen “ooch, langsam reichts jetzt wieder”?
ich hoffe, dass ab morgen, wenn die duldung durch den dekan ausläuft, wieder mehr masse und energie da ist. und das wir vielleicht wieder nen hörsaal bekommen, der zentraler gelegen ist. jetzt haben wir jedenfalls noch gar nichts erreicht, und wenn wir jetzt aufgeben ist alles verloren….
aaaaah, politisch! oder: apolitisch?
Heute in der Diskussion nach dem Plenum kam auf, dass die Kölner BesetzerInnen ‘erstaunlich apolitisch’ seien. Ich glaube schon, dass es stimmt, dass sehr viel Angst umgeht als ‘zu links’ angesehen zu werden und dass man somit Menschen abschrecken könnte beim Bildungsstreik mitmachen zu können/wollen. Da viele von sich sagen, dass sie unpolitisch sind, fragt man sich doch, wann man denn nun politisch ist und wann nicht. Politik ist doch nicht nur, dass man ‘die da oben’ entscheiden lässt und das alles so hinnimmt wie es kommt. Wir leben in einer Demokratie und das sollte man doch auch nutzen. Also so habe ich das auf jeden Fall verstanden. Wenn man nicht einverstanden ist, sollte man das auch kundtun. Da wir das ja gerade jetzt tun (man tut nicht tun gebrauchen), heisst das doch, dass wir uns vehement einmischen, was einen dann automatisch politisiert?!? Ich weiß, das hier ist gerade ein seeeehr gefährliches Pflaster und ich will mich nicht um Kopf und Kragen reden. Da ist dann zum Beispiel auch definitiv die Angst von den Politikern getragen zu werden, sobald man sich einer Partei zuwendet. Will man ja auch nicht, irgendwie, da wir ja für unsere eigene Sache einstehen wollen, die nun mal andere Probleme ausklammert. Ist man als BesetzerIn einer Uni also politisch aktiv? Ich würde sagen, man kann da einfach machen wie man will…Ob man jetzt sich jetzt als politsch bezeichnet oder nicht ist doch einem selbst überlassen, ändern tut es den Status in dieser Bewegung nicht, es gibt immer die Möglichkeit zu diskutieren und seine Meinung einzubringen und die wird dann zur Kenntnis genommen. Letzendlich ist es doch egal, wie und ob man überhaupt irgendwo politisch steht, wir ziehen doch alle am gleichen Strang.
Irgendwie ist es mir dennoch rätselhaft, was das Problem ist, als ‘links’ oder ‘zu links’ bezeichnet zu werden, wieso ist das denn generell negativ angesehen? Ist da schon wieder dieser Gedanke impliziert, dass man Stunk machen will? Also iiich finde ein bisschen Stunk nicht schlecht, da die einzige Zeit wo man keinen Stunk machen soll, die Zeit ist, in der alle zufrieden sind. Sind wir aber nicht!
wie wollen wir morgen leben?
Wir besetzen, wir fordern! Die Debatte um die “Forderungen” kennt viele Ideen und Perspektiven. Ob konkret, für die spezifische (Hoch-) Schule oder allgemeine Forderungen, beispielsweise an die Unterzeichnerstaaten des Bologna Prozesses. Ob von Studenten oder Lehrenden. Die Forderungen sind notwendig im Rahmen eines “erfolgsorientierten” Handelns. Sie aufzustellen hat somit eine Berechtigung. Ich wünsche mir eine Debatte die auch darüber hinaus geht.
Ausgangspunkt meiner Überlegungen ist die Tatsache, das die BRD als Demokratie mit einer Sozialen Marktwirtschaft, gegründet wurde. Der Sozialstaat als Vermittler zwischen dem Kapital und den zu erwartenden Verwerfungen des Kapitalismus, sowie den Interessen und Bedürfnissen der Menschen. Der Staat reagierte auf die zu erwartenden struturellen Unzulänglichkeiten des Kapitalismus, welcher ohne einen wohlfahrtsstaatlichen Ausgleich, für eine Gemeinschaftsbildung, als gesellschaftliche Aufgabe, nur bedingt taugt. Die Idee des Sozialstaats ist folglich auch die Idee einer gerechteren Gesellschaft, er macht das Projekt BRD, als demokratisches, sozial-kapitalischtisches System, zum “Jedermanns und Jederfraus” Projekt unter dem Primat der gesellschaftlichen Teilhabe für alle. Er realisierte Sichertheit für das Subjekt gegenüber der Arbeitsgesellschaft und schuf das “Modell der Erreichbarkeit” von Lebensplanung. Nun gut, er half auch erfolgreich bei der Reproduktion von Arbeitskräften. Dennoch, die BRD suchte zunächst das soziale Versprechen in der Marktwirtschaft und versprach den Ausgleich zwischen dem Kapital und dem Menschen.
Dieses Versprechen ist brüchig geworden.
Was wir erleben, an den Schulen, in den Ausbildungen und Hochschulen ist der Bruch des sozialen Versprechens unseres Staates. Meines erachtens besonders hervor zu heben, die Situation der Kinder in Kindertagesstätten! Denn hier wird unter dem ökonomischen Vorzeichen: “Menschenbildung” zu “Bildung” im Horizont eines gelingenden Schulalltags.  Ein Hoch auf jede Kinder Einrichtung, die sich gegen eine solche Vereinahmung zur Wehr setzt.
Was wir erleben, sind die Auswirkungen gesellschaftlicher und sozialstaatlicher Transformationsprozesse. Hierzu zählen, Privatisierung von Staatseigentum und die Deregulierung der Ökonomie, dem Verzicht als Staat in den “Markt” einzugreifen (1970er Jahre). Die Folge: Die Entwicklung eines Turbokapitalismus, der das Prinzip der dienenden Ökonomie umkehrt, in die, der Ökonomie dienende Gesellschaft. An diesem Punkt endet auch die Idee der Vollbschäftigung, da beschäftigte Menschen, nun als (Human-) Kapital, zum Kostenfaktor geworden sind und  notfalls den Kapitalrenditen geopfert werden müssen. (Abgesehen von den technischen Entwicklungen, die mit einem Bruchteil an Menschen, ein Vielfaches an Produktivität erreichen.)
Die Folgen  sind 1. Flexibilisierung der Arbeitsbedingungen, Zeitverträge, Ich-Ags, Leiharbeit usw. 2. Abbau der sozialstaatlichen Sicherungen und Indidivdualisierung der Lebensrisiken, “aktivierender Sozialstaat”, usw. 3. und ein Wechsel im Habitus, hin zum “unternehmerische Mensch”, sich selbst als Arbeitskraft (oder eben als Studentin) zu managen, den Spagat zwischen Arbeitszeit und Lebenszeit zu koordinieren.
Der Bildungsbereich ist einer der letzten Bereiche, der dem Primat der Ökonomie unterstellt wird. Nach der Entgrenzung der Ökonomie, Entgrenzung der Arbeit, Entgrenzung des Sozialstaats (ALG II), nun die ökonomische Überformung der Bildung. Mal ganz plump: Bildung als Reproduktion von Humankapital.
Sicher, wenn ich ein Haus besetze will ich darin wohnen, wenn ich einen Hörsaal besetze, will ich  Veränderungen in meiner Hochschule. Doch sind es gesamtgesellschaftliche (staatliche) Veränderungsprozesse, welche als Ausgangspunkt unserer Bildungsmisere zu lokalisieren sind.
Ihr kennt die Google Karte! Diese “Bewegung” , wenn sie denn für sich eine gesellschaftliche oder öffentliche Relevanz beansprucht, erhält ihr öffentliches Mandat dann, wenn sie auch die gesellschaftliche Verantwortung übernimmt und nicht “nur” ihre eigenen Forderungen, für eine “gelingendere Bildung”  formuliert, sondern sich gleichzeitig gesellschaftlich positioniert. Und dies ist (bitte) keine Frage von Links oder Rechts!!!
Sondern die Frage: Wie wollen wir morgen leben?
von der illusion einer richtigen bildung im falschen ganzen
neulich lief “der baader meinhof komplex” im fernsehen. in diesem film wurde ja auch einiges über die 68er.bewegung gezeigt. und als ich das so sah, wurde mir nochmal bewusst,warum die derzeit stattfindenden bildungsproteste nichts, aber auch gar nichts, mit der revolte von vor 40 jahren gemeinsam haben. damals ging es nicht nur gegen uni-missstände, es ging gegen das massker in vietnam,gegen die fehlende auseinandersetzung mit der nazi-vergangenenheit von eltern, beamten,politikern,professoren usw,gegen autoritäre erziehung, gegen eine altbackene,restriktive sexualmoral, es ging einfach gegen die gesamtscheiße.
heute geht es gegen studiengebühren und gegen BA/MA. um gotteswillen nicht nicht zu links sein, das könnte ja schlecht für die außenwirkung sein.noch der verbohrteste RCDSler soll sich in unseren forderungen wiedererkennen. und die, die für diesen ganzen mist verantwortlich sind, bedanken sich dafür.
die radikalste derzeit gestellte forderung findet ihren ausdruck in der parole “bildung ist keine ware”. sie beruht auf der vorstellung,es könne quasi einen ökonomiefreien raum in einer ökonomisierten welt geben. einen raum, in dem wert und verwertbarkeit keine rolle spielen,inmitten einer welt, die auf wert und verwertung beruht. professoren und andere angestellte müssen bezahlt werden und ausstattung muss gekauft werden, der unibetrieb kostet unsummen.unsummen, die irgendjemand bezahlen muss. bildung ist also objektiv eine ware, muss eine ware sein, auch wenn sie , wie oft gefordert, vom staat bezahlt wird. und da auch der staat seine gelder nach ökonomischen kritierien vergeben muss, ist es unsinn anzunehmen, dass dies dann zu einer bildung führen würde,die sich an den bedürfnissen und interressen des einzelnen orientiert. die parole müsste also richtigerweise lauten: “Bildung soll keine ware mehr sein”.und um das zu verwirklichen müsste sich das engagement nicht nur gegen die warenförmigkeit der bildung richten, sondern gegen diese gesellschaftsordnung,in der alles warenförmig ist, und die jeden einzelnen unter das diktat der ökonomie zwingt. und solange sich die allermeisten protestierenden hartnäckig weigern, dies zu erkennen, wird diese protestbewegung bedeutungslos vor sich hindümpeln und recht bald das zeitliche segnen.
den grund dafür hat theodor w. adorno bereits vor mehr als einem halben jahrhundert formuliert:
Es gibt kein richtiges Leben im falschen Ganzen.
edit: dieser beitrag wurde von Erik verfasst. gab wohl einen fehler beim anmelden
